Hochzeitstauben Dresden-Lausitz
Hochzeitstauben Dresden-Lausitz - Presse

Flieg, Glückstaube flieg!
Das Grödener Ehepaar Erika und Rudolf Maciej macht Hobby zum Beruf
Von Sarah Werner (15.03.2008)

Mit Tauben werden die verschiedensten Gedanken und Gefühle verbunden. Der eine versteht sie nahezu automatisch als Friedenssymbol, andere denken mit Grauen an die Schwärme von Tauben, die mit ihren Hinterlassenschaften ganze Stadtteile verschmutzen. Wiederum andere schätzen sie als kulinarischen Leckerbissen. Bei festlichen Anlässen wie Hochzeiten steigen die Vögel im wahrsten Sinne des Wortes als Glücksbringer auf. Zeremonien mit aufsteigenden Tauben werden gern von Hochzeitspaaren oder deren Angehörigen organisiert. Zeichen der Liebe, die in den Himmel steigen und den Frischvermählten Glück bringen sollen, haben eine ganz besondere Wirkung. Die Rundschau sprach mit Taubenzüchterin Erika Maciej, die solche festlichen Momente möglich macht.

Auf dem Hof der Maciejs herrscht wildes Getümmel. In großen Schlägen laufen mehr als 100 blaue und weiße Tauben umher, picken mal hier und mal da, gurren und putzen ihr Gefieder. In unmittelbarer Nähe befindet sich das gelbe Wohnhaus, in dem das Ehepaar Maciej lebt. Eine Klingel mit der Aufschrift "Gut Flug" symbolisiert Gastfreundschaft und lässt gleichzeitig auf ein ungewöhnliches Hobby schließen. Erst vor Kurzem wurde der Ausbau der Terrasse an der Rückwand des Hauses abgeschlossen. "Von der Sitzbank aus kann man optimal auf die Taubenschläge gucken" , erzählt Erika Maciej. Da werde ihr Mann oft sitzen, wenn es wärmer wird.  "Die Entscheidung, weiße Hochzeitstauben zu züchten, ist eigentlich eine Trotzreaktion gewesen", erzählt die Grödenerin lächelnd. Sie erinnert sich noch genau an die Zeit, als ihr Mann der einzige Taubenbegeisterte im Hause war.

Bereits 1957 entwickelte er sein Hobby – die Brieftaubenzucht – und heimste seitdem rund 90 Pokale ein. Nicht immer leicht ist dieses Hobby für die Ehefrau, denn besonders von Mai bis September nimmt das Füttern, Züchten und Trainieren der Tiere viel Zeit in Anspruch. So fahre ihr Mann mindestens zweimal pro Woche mit den Tieren bis zu 80 Kilometer weit, um sie dann zurückfliegen zu lassen. Dementsprechend wenig Zeit bleibt für die Familie. Das ärgerte Erika Maciej. Und so drehte sie den Spieß im Jahr 2004 herum und begann mit der Zucht weißer Tauben. Es entstand die Idee, die Tiere für Hochzeiten, Feiern und Jubiläen anzubieten. Seitdem sind die Eheleute mit ihren Tieren ständig unterwegs. "Wir teilen uns die Arbeit gut auf. Er putzt die Anlagen, füttert und trainiert die Tiere, ich kümmere mich um den Service." Damit meint die fröhliche Frau das Entgegennehmen der Buchungen, das Schmücken des Käfigs und das Vorbereiten der Ansprache für das Brautpaar.

Sind die Tauben erst einmal in ihrem Tragekorb verstaut, geht es mit dem Auto in Richtung Hochzeitsfeier. Über Kamenz, Meißen bis hin nach Cottbus gibt es kaum Strecken, die den Tieren zu lang sind. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 Kilometern je Stunde können die Tiere bis zu 800 Kilometer weit fliegen. Und sie sind meist schneller wieder zu Hause, als deren Besitzer. Am Ziel angekommen, werden die Tauben in einen liebevoll mit Bändern und Rosen dekorierten Käfig gesetzt. "Die sind anfangs immer ganz aufgeregt, wie kleine Kinder. Aber mir geht es da auch nicht anders" , sagt die 68-Jährige. Die Zeremonie laufe an und für sich immer gleich ab: Ein Angehöriger oder Erika Maciej selbst richtet sich mit ein paar lieben Worten an das Ehepaar. Im Anschluss bekommen die Frischvermählten ein Taubenpaar überreicht, das sie als Zeichen ihrer Liebe in den Himmel steigen lassen.

Dann wird es Zeit, auch den Käfig mit den anderen 15 Tieren zu öffnen und sie auf den Weg gen Heimat zu schicken.  Was Erika Maciej an ihrer Arbeit so gut gefällt? "Es ist schön, das Glück anderer jedes Mal auf ein Neues erleben zu können. Da stehen einem schon mal die Tränen in den Augen. Wir haben schon so viele tolle Orte und Kirchen sehen dürfen, das ist fast besser, als Urlaub machen" , freut sich die Grödenerin und blättert in einem Album mit Fotos von Trauungen. Eine Hochzeit auf Schloss Wackerbarth sei sehr empfehlenswert, stellt sie fest und zeigt auf eines der Bilder.  Dass sie die Taubenzucht irgendwann einmal aufgeben könnte, daran denkt Erika Maciej nicht. Schließlich liebe sie ihre Arbeit mit den Tieren – und mit den Menschen. Es gibt eigentlich nur eines, was sie den Tauben übelnehmen kann – dass sie regelmäßig den Gemüsegarten zunichte machen. "Ich denke jedes Jahr, diesmal werden sie nichts anpicken und pflanze wieder neu an. Aber in diesem Jahr gebe ich endgültig auf", schmunzelt sie.